Gutachten bei Kraftfahrzeugen – Schadensminderungspflicht

Fachartikel von Ingo Kempkes (DESAG - Deutsche Sachverstaendigen Gesellschaft mbH)

Bei der Abwicklung von Unfallschäden entstehen oft Diskussionen zum Thema Schadensminderungspflicht. Leider führt die Bezeichnung, aufgrund missbräuchlicher Verständlichkeit, zu Streitigkeiten mit Versicherern.

Schadensminderungspflicht bedeutet nicht, dass im Rahmen eines Unfallschadens seitens des Geschädigten eine Pflicht besteht den Schaden zu mindern.

Es besteht vielmehr die Pflicht, den Schaden "im vernünftigen Rahmen" zu halten und keinerlei unnötigen Kosten zu erzeugen. Versicherer im Schadensmanagement nutzen den Begriff der

Schadensminderungspflicht häufig um Geschädigten die ihm zustehenden Rechte auszureden.

Achten Sie auf Ihre Rechte und lassen Sie sich nicht verunsichern! Fragen Sie einen qualifizierten Sachverständigen oder einen Rechtsanwalt!

Ein schneller Überblick für Geschädigte:

1. Ihnen steht die Beauftragung eines eigenen Kfz-Sachverständigen zu, dies gilt auch, wenn der eintrittspflichtige Versicherer bereits einen Sachverständigen beauftragt hat.

2. Die Inanspruchnahme eines Rechtsanwaltes zur Abwicklung des Unfallschadens steht Ihnen im Zuge des Schadenersatzes zu.

3. Die Inanspruchnahme eines Mietwagens für den Zeitraum, der zur Wiederherstellung des Fahrzeuges notwendig ist oder bei einem Totalschaden für den Zeitraum der Ersatzbeschaffung eines vergleichbaren Fahrzeuges, steht Ihnen zu.

4. Die Inanspruchnahme einer Werkstatt “Ihres Vertrauens“ zwecks Instandsetzung des verunfallten Fahrzeuges ist selbstverständlich.

5. Sie können die fiktive Abrechnung nutzen, sofern das Fahrzeug nicht, oder noch nicht instand gesetzt werden soll.

6. Ihnen steht die Erstattung von Wertminderung zu, sofern die Kriterien hierfür vorliegen.

7. Sie haben das Recht auf Erstattung von Schmerzensgeld, sofern ein Körperschaden eingetreten ist.

8. Sie haben das Recht auf Erstattung von Nebenkosten bzw. einer Unkostenpauschale.

Durch den Unfall entstehende Kosten müssen durch die eintrittspflichtige Versicherung ausgeglichen werden.

Sie erhalten einen Anruf der eintrittspflichtigen Versicherung? Achtung! Listige und dadurch täuschende Versicherer, erklären Geschädigten oft, dass viele der gelisteten Positionen im Rahmen der Schadensminderungspflicht nicht notwendig seien und die Versicherung diese Positionen deshalb nicht erstatten würde. Derartige Hinweise der Versicherer erfolgen wider besseren Wissens und gegen geltendes Recht.

Die Rechtsprechung hat den tatsächlichen Rahmen der Schadensminderungspflicht eindeutig festgelegt. Der Geschädigte muss sich insbesondere nicht auf Sachverständige der Versicherung, noch auf eine der Versicherung nahestehende Mietwagenfirma und auf sogenannte "Vertragswerkstätten" der Versicherer zur Instandsetzung des Fahrzeuges verweisen lassen.

Ein Geschädigter sollte zur Sicherstellung der eigenen Interessen nie auf die "Vorschläge" der Versicherung des Unfallgegners eingehen.

Geben Sie die Unfallregulierung nicht aus der Hand und vertrauen Sie auf kompetente, unabhängige Partner.